Aug 31
In Restaurants oder Kneipen sind sie gern gesehen, aber im Rettungsdienst hat man sie nicht so gern und hält sie für Nervensägen.
Patienten die alle paar Tage hinfallen oder alle zwei Wochen den Blasenkatheter verstopft haben sind wohl die häufigsten. Seit kurzem scheint sich aber eine neue Stammkundenart zu etablieren. Vorwiegend Abends oder Nachts: “Notfall1 unstillbares Nasenbluten”
Man kommt zum kreislaufstabilen Patienten, der seit gerade unstillbares Nasenbluten hat. Leider ist kein privater PKW vorhanden und Freunde oder Geld für ‘n Taxi gibts auch nicht. Also…?! RTW! Richtig. Der bringt einen ja schnell und kostenlos ins Krankenhaus. Das ist umso ärgerlicher wenn sich daraus Stammkunden entwickeln, wie in den letzten zwei Wochen zweimal der gleiche Fahrgast.
Hoffentlich reißt das nicht ein.
Aug 26
Alarm: 23:00 Gemeldet: gynäkologischer Notfall
Eine junge Patientin öffnet uns die Tür, mit zwei kleinen Katzen kommt uns auch eine Duftwolke mit dem Gemisch aus Zigarettenrauch, Tier-kot und -urin entgegen. Der Boden mit Dreck und Katzenstreu bedeckt. Zusätzlich läuft noch ein für diese Wohnung viel zu großer Hund durch die 2-Zimmer-Wohnung. Ein 40″ Fernseher mit Hartz4-TV krönte den Gesamteindruck.
Zur Patientin: Ihr sei seit zwei Stunden übel und habe sich schon zweimal übergeben. Sie ist im neunten Monat schwanger, raucht aber >20 Zigaretten am Tag obwohl sie schon Asthmatikerin ist. Kein ersichtlicher Grund für die Übelkeit, kein Schwindel, kein Kopfschmerz, keine Gehirnerschütterung, letzte Mahlzeit war das Frühstück.Alles normal soweit.
Bei all dem Dreck und Kot wäre mir auf Dauer wahrscheinlich auch schlecht geworden. Deshalb hab ich mal den desolaten Wohnzustand als Ursache vermutet und sie dem nächsten Krankenhaus vorgestellt.
Eigentlich hätte man sie zuhause lassen können, aber ein sauberes Krankenhaus in dem sie ein paar Tage verbleiben kann und evtl. ihr Kind bekommen kann fand ich dann doch angebrachter.
Super Start für das kommende Kind. Vom Vater keine Spur und wer der Vater sein könnte steht wohl auch in den Sternen. Bevor man Kinder kriegen darf sollte man sich testen lassen. Einen PKW darf man auch nicht einfach fahren ohne ihn anzumelden und zu versichern.
Aug 24
Nachts 01:00Uhr, gemeldet: internistischer Notfall
Nach kurzer Fahrt werden wir durch eine Horde winkender Kinder am Einsatzort eingewiesen. Warum sind die nicht im Bett?
In der Wohnung befinden sich etwa 10 Personen türkischer Abstammung. Nach Befragung finden wir endlich die Patientin.
Sie spricht kaum deutsch, daher spricht der Mann. Urplötzlich hätte sie Kribbeln und Lähmungen in den Armen gehabt.
Die Hände sind in Pfötchenstellung, schneller Puls und Atmung. Alles deutet auf eine Hyperventilationstetanie hin.
Nach Befragung des Mannes, hätte sie sich aber nicht aufgeregt und wär die ganze Zeit ruhig gewesen.
Alles ziemlich merkwürdig… Nunja, Patientin eingeladen und ins Krankenhaus gebracht. Dort, ohne Angehörige, war sie auf einmal sehr viel ruhiger und konnte auch beim umlagern mithelfen.
Plötzliche Besserung oder haben die Angehörigen gelogen? Vielleicht lern ich doch irgendwann mal türkisch…
Aug 20
Gemeldet: Reanimation im Pflegeheim
Nach vier Minuten kommen wir an, auf dem Boden liegt eine Heimbewohnerin in Seitenlage durch Pflegepersonal gestützt.
Das die Patientin keinen Puls und keine Atmung hat und daher reanimiert werden sollte, war dem Personal wohl nicht so geläufig.
Wir haben die Patientin dann erstmal auf den Rücken gelegt und sofort mit der Wiederbelebung begonnen.
Kurz darauf traf der Notarzt ein und nach etwa zehn Minuten hatte die Patientin wieder einen eigenen Kreislauf und schnaufte spontan. Haben sie stabil ans Krankenhaus übergeben.
Schade eigentlich das in einem Heim mit älteren Menschen, wo ein plötzlicher Herzstillstand deutlich öfter auftritt als sonst, das Personal mit einer solchen Situation überfordert ist. Die Minuten, die wir zur Einsatzstelle gebraucht haben, hätten durch eine früh begonnene Reanimation durchs Pflegepersonal dem Outcome der Patientin sehr geholfen.
Wie es der Patientin geht, weiß ich leider nicht. Sie lag wohl noch zwei Tage auf Intensivstation, aber danach hab ich sie dort nicht mehr gesehen.
Jul 20
Ich weiß nicht wie es in anderen Regionen ist, aber irgendwie war letztens Stadt und Land vertauscht.
Aus der Stadt bin ich es gewohnt, dass man nach dem Prinzip “load and go” arbeitet. Quasi feststellen was der Patient hat, ins Auto bringen und zum Krankenhaus fahren oder zu Hause lassen. In der Land-Rettung gibt es eher “richtige” Notfälle und man muss auch mal beim Patienten arbeiten. Letzte Schicht war es aber wie gesagt anders. Hatte Land-Rettung, dann überdurchschnittlich viele Einsätze und wirklich “gearbeitet” haben wir auch nicht. Einmal Blutdruck gemessen beim Patienten mit Nasenbluten. Das wars…
Ist das der Beginn eines Wandels im Stadt/Land -Rettungsprinzip?
Wir werdens sehen.
Jul 12
Unter Kollegen oder mit Krankenschwestern ist man meist sehr offen und albert auch schon mal rum, aber heute war es etwas seltsam:
Mein Kollege und ich gingen auf eine Station im Krankenhaus um einen Patienten abzuholen. Bei der nächstbesten Schwester meldeten wir uns und fragten nach dem Patienten. Die Schwester war etwas verwundert, denn scheinbar war sie im Glauben der Transport wäre abbestellt gewesen, weil der Patient nicht zur festgelegten Untersuchung wollte.
Sie nahm nochmal telefonisch Rücksprache mit dem Stationsarzt, ob der Patient nun mitfährt oder nicht. Der Arzt verneinte dies, daraufhin teile die Schwester dem Arzt mit, dass wir wohl da wären und fragte dann wie sie uns denn nun “befriedigen” soll.
Bin mir nicht sicher ob sie sich bewusst war was sie da gefragt hat, aber nach der Frage musste ich erstmal lachen und konnte nur sagen: “Ich wüßte da so einiges”.
Leider konnte sie uns nur was zu trinken anbieten. Mit anderem wären wir aber auch einverstanden gewesen
Jul 12
Hallo Zusammen,
ich bin Florian und das was man umgangssprachlich als “Krankenwagenfahrer” bezeichnet.
Ich werde diesen Blog ab heute mit hoffentlich interessanten Erlebnissen und Geschichten aus meinem Bereich und/oder anderen Dingen ergänzen.
Viel Spaß beim Lesen!
Gruß, Florian
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